Die Praktiken des Imkers

URSACHE Nr. 3: Die Praktiken des Imkers

in direktem Zusammenhang mit
URSACHE Nr. 2: Bienenkrankheiten und Parasiten

migratory beekeeping

Ein wandernder Imker auf einem LKW mit 440 (!) Bienenvölker.

Einige Imkereimethoden können für Bienen schädlich sein. Die Gründe hierfür liegen leider oft in fehlendem Wissen, mangelndem Bewusstsein oder auch in Gier.

Die Folge ist, dass unsere Bienen geschwächt sind und sich nicht selbst gegeben Krankheiten und Parasiten wehren können. (URSACHE Nr. 2).

Zu diese Methoden gehören die intensive, kommerzielle Wanderimkerei, die unnatürliche Fütterung, chemische Behandlungen und der internationale Handel mit Bienen1.

 

Was ist eine kommerzielle Wanderimkerei?

In vielen Ländern dieser Welt verdienen die großen Imkereien ihr Geld nicht mit der Honigproduktion. Ihr Gewinn liegt in den Bestäubungsdiensten, für die die Imker ihre Völker an Landwirte verleihen. Große Monokulturpflanzen benötigen in einen bestimmten Zeitraum für einige Wochen lang Bestäubung. Außerhalb dieser kurzen Bestäubungszeit stellen die kilometerweiten Monokulturlandschaften eine Futterwüste für Bienen und andere Insekten dar.

An dieser Stelle kommt die Wanderimkerei ins Spiel.

Monatelang durchqueren LKW-Ladungen mit Bienenvölkern das Land. In den USA werden fast zwei Drittel (!) der geschätzten 2,66 Millionen Bienenvölker für Bestäubungszwecke quer durch das Land2.
Der Langstreckentransport setzt die Bienen extremen Temperaturschwankungen aus und nimmt ihnen die Möglichkeit zur natürlichen Futtersammlung.
Das führt zu immunsupprimierendem Stress. Außerdem schädigt Maissirup mit hohem Fruktosegehalt, der die Nahrung dieser hochmobilen Bienen oft ergänzt, sie zusätzlich.

Forscher verglichen die Verbreitung von Viren bei Wanderbienen mit denen bei lokal gehaltenen Bienen. Die Wanderbienen waren viel öfter infiziert und zeigten sogar dreifache Infektionen. Der massive Verlust von Honigbienen ist viel häufiger bei transportierten, nicht lokal gehaltenen Honigbienen zu beobachten. Einige wandernde Imker haben bis zu 90 Prozent ihrer Kolonien verloren3.

Darüber hinaus begünstigt der Transport von Bienenstöcke die Verbreitung von Krankheiten enorm. Ein infizierter Bienenstock der quer durch das Land transport wird verbreitet Krankheiten rasend schnell und schädigt somit auch die lokal gehaltenen Bienen und deren Imker.
Es gibt jedoch auch Imker, die die „nicht-kommerzielle“ Wanderung praktizieren. Diese Imker leben in einem Gebiet, in dem es nicht ganzjährig genügend Blüten gibt. Sie reisen deshalb mit den Bienenstöcken zu bestimmten Zeiten, z.B. vor dem Winter, an Orte, an denen genug Nektar und Pollen zur Verfügung stehen. So sichern sie das Überleben der Völker oder vermeiden/verringern die Zufütterung von Zuckerwasser. Dies ist eine weitere Art der Wanderung. Sie wird oft als positiv und in einigen Fällen als notwendig angesehen. Die beste Lösung für die Bienen ist jedoch, sie in in ihrem gewohnten Umfeld zu belassen und den Transportstress zu vermeiden.

 

Was bedeutet “unnatürliche Nahrung”?

Die einzige natürliche Nahrung für Honigbienen kommt von Nektar und Pollen, die sie sammeln. Diese Futterquellen enthalten lebenswichtige Nährstoffe, die ihre Gesundheit fördern.
Bienen variieren vorsichtig ihre eigene Ernährung und fliegen auch weitere Strecken, um verschiedene Blüten zu finden. Je nach Situation im Bienenstock (Viren, Krankheiten, Brutmenge, Zustand der Königin etc.) wählen sie verschiedene Nektare und Pollen aus.

Viele Imker füttern heute ihre Honigbienen mit künstlichen Maissirupen, die einen hohen Fruchtzuckergehalt (HFC) aufweisen oder einem Wasser-Zucker-Gemisch. Im Gegensatz zu der reichen Mischung aus Fett, Eiweiß, Vitaminen und Mineralien, die in Pollen und Nektar enthalten ist, enthält diese künstliche Nahrung keine echten Nährstoffe. Diese Art der Fütterung birgt die natürliche Folge eines geschwächten Bienenvolkes.

 

Mangelnde genetsche Vielfalt

Der Mangel an genetischer Vielfalt könnte die Bienen schwächen, glauben einige Forscher.

Bienen sind ein Geschäft. Viele Imker beginnen das Imkern mit dem Kauf einer Bienenkönigin. In den USA stammen fast alle Bienen von einer begrenzten Anzahl von Bienenköniginnenlinien ab. Es wird angenommen, dass der begrenzte Genpool der Grund für den Abbau des Immunsystems und der Überlebensfähigkeit der Bienen sein könnte4.

Dies ist dem Inzuchtprozess bei vielen Tierenarten und Menschen, sehr ähnlich.

 

Überbelegung der Standorte

So wie andere Nutztiere nicht gedeihen können, wenn sie auf unzureichender Weidefläche stehen, konkurrieren zu viele Bienenstöcke in einem Gebiet um begrenzte Ressourcen. Wenn ein Imker hundert Bienenstöcke an einen Bienenstand stellt, der nicht genug Futter bietet, kann er davon ausgehen, dass es bei diesen Völkern zu Problemen kommen wird5.

 

Chemische Behandlung bei Krankheiten

Die Honigbienen leiden zunehmend unter Krankheiten und Parasiten, die so manche Imker mit starken Chemikalien bekämpfen. Sie verwenden hierfür Herbizide, Fungizide und Insektizide in und um die Bienenstöcke.

Darüber hinaus hat die sorglose Anwendung von Prinzipien des Pflanzenschutzes zu einem übermäßigen Einsatz von Pestiziden und Antibiotika geführt. Dies führt zu einer erhöhten Resistenz gegen dieselben Antibiotika bei Honigbienenparasiten und Krankheitserregern wie der Varroa Milbe und dem amerikanischen Faulbrutbakterium (Paenibacillus larvae).

 

Internationaler Handel

Der internationale Handel mit Honigbienen und Honigbienenprodukten hat die weltweite Verbreitung von Krankheitserregern wie Varroa, Trachealmilbe (Acarapis woodi), Nosema, kleiner Beutenkäfer (Aethina tumida) und die Pilzkrankheiten Kalkbrut (Ascosphaera apis) weiter vorangetrieben.6.