Wie wird man Imker?

Wie wird man Imker?

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Einstieg

Wie wird man Imker? Fest steht, du bist nie zu jung oder zu alt, um anzufangen 🙂

 

In der letzten Zeit stellen sich immer mehr Menschen folgende Frage: Wie wird man Imker? Tatsächlich hat die Imkerei in den letzten Jahren einen Boom erlebt. Das bestätigen viele Imkerverbände in der ganzen Welt.

Hier ein paar Beispiele:
In den letzten 18 Jahren ist die Zahl der Imker in Deutschland von rund 110.000 auf 150.000 gestiegen. Das ist ein Plus von 36 %1.

Ähnlich wie der Trend zum sogenannten Urban Gardening, dem Anbau von Gemüse auf städtischen Flächen, in Gemeinschaftsgärten oder auf dem eigenen Balkon, gibt es auch einen Trend in der Bienenhaltung.
Ein weiteres Beispiel kommt aus Großbritannien: Die Mitgliederzahlen des britischen Imkerverbands verzeichneten einen Anstieg von rund 8.500 Personen im Jahr 2008 auf über 24.000 im Jahr 2017. Viele dieser Menschen leben und halten Bienen in Städten und Gemeinden2.

Wie wird man Imker oder Imkerin? Werde Teil einer wachsenden Gemeinschaft!

Interessant ist auch die Tatsache, dass jeder Imker in Deutschland im Durchschnitt nur 6,7 Bienenvölker hält. Und weniger als ein Prozent sind in der kommerziellen Imkerei tätig.

Hier ist ein Überblick über das Verhältnis zwischen der Anzahl der Bienenvölker (Größe der Imker) und der Anzahl der Imker.
0-25 Bienenvölker: 96 % der Imkerinnen und Imker
26-50 Bienenvölker: 3 % der Imkerinnen und Imker
über 50 Bienenvölker: 1 % der Imkerinnen und Imker

Das ist ziemlich ähnlich zu dem, was wir über die Anzahl und Größe der Landwirte herausgefunden haben.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO bestätigt, dass die Mehrheit (mehr als 90 %) aller landwirtschaftlichen Betriebe auf dieser Welt kleinbäuerliche Betriebe sind, die etwa 53 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche besitzen. Weitere Informationen hierzu findest du in unserem Artikel Großbetriebe: Können wir die Welt mit Permakultur ernähren?

Okay, so weit, so gut. Wir kennen jetzt zwei wichtige Fakten, die für dich interessant sind, wenn du darüber nachdenkst, mit der Imkerei zu beginnen:

  1. Die Zahl der Imker nimmt zu. Das Bedeutet das die Imkerei Spaß macht oder andere Vorteile bringt. Sonst würde die Zahl der Menschen nicht steigen. UND
  2. Es gibt eine Gemeinschaft von Imker-Anfängern, mit denen du dich vernetzen und gemeinsam wachsen kannst.
  3. Die meisten Imker halten nur wenige Bienenstöcke. Die Gründe können unterschiedlich sein, aber es scheint bewährte Praxis zu sein.

Dies führt uns zu der ersten Sache, die du berücksichtigen solltest, wenn du überlegst in die Imkerei einzusteigen.

 

1) Überlege, warum du Bienen halten möchtest

Was ist der Grund? Was ist deine Motivation?
Dies sind die ersten und wichtigsten Fragen.

Lass uns den Prozess gemeinsam durchgehen.

Warum möchtest du mit der Imkerei beginnen?

  • Hast du von der Tatsache gehört, dass Bienen gefährdet sind und möchtest helfen?
  • Brauchst du Bienen als Bestäuber für deinen Gemüsegarten, um eine gute Ernte zu bekommen?
  • Würdest du gerne köstlichen Honig von von deinen eigenen Bienen haben?
  • Möchtest du auch andere Produkte wie Wachs oder Pollen ernten?
  • Ist es dein Ziel, mit der Imkerei Geld zu verdienen?
  • Suchst du ein Hobby, das etwas körperliche Arbeit im Freien beinhaltet?
  • Bist du bereit, die Verantwortung für einen Bienenstock mit etwa 45.000 Tieren zu übernehmen?
  • Niemand in deiner Familie und Nachbarschaft ist allergisch gegen Bienen?
  • Und das Wichtigste, bist du bereit, Zeit damit zu verbringen, Wissen über Bienen und Imkerei anzueignen, BEVOR du anfängst?

WIr würden sagen, wenn du mindestens 4 der obigen Fragen mit ja beantworten kannst, solltest du auf jeden Fall weiterlesen!

Je mehr Fragen du mit ja beantworten kannst, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Imkerei das richtige für dich ist.

Im Folgenden werden wir diese Fragen Schritt für Schritt beantworten.

 

2) Kenntnisse über Bienen und Imkerei erlangen

Wissen ist der Schlüssel zum Erfolg!

  • Lies unsere Artikel über Nachhaltige Bienenzucht und Bienenprodukte.
  • Sprich mit einem Imker in deiner Region und stelle ihm alle Fragen, die du hast. Frage ihn auch, wie viel Zeit er/sie für die Bienen aufwenden muss. Der Zeitaufwand variiert je nach Klima und den erforderlichen Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen (hauptsächlich Varroa).
  • Kaufe oder leihe dir einige Bücher oder suche im Internet nach Informationen über Bienenhaltung.
  • Suche nach Imkervereinen oder anderen Initiativen, die in deiner Gegend Imkerkurse anbieten und besuche einen Kurs.

 

3) Finde eine möglichen Stellplatz für die Bienenvölker

Jedes Land hat andere Vorschriften. Informiere dich unbedingt über die Vorschriften und Einschränkungen für deine Gegend, bevor du dir ein Volk zulegst.
Dies ist ein Beispiel dafür, wie sie aussehen können:
In Australien dürfen die Bienenstöcke in einem Abstand von 3 Metern zum Grenzzaun gehalten werden, es sei denn:

  • die Höhe des massiven Zauns beträgt mehr als 2 Meter.
  • Auf dem an den Zaun angrenzenden Grundstück steht unmittelbar am Zaun ein mindestens 2 Meter hohes Gebäude errichtet, das keine Fenster oder andere Öffnungen in der Höhe auf der Zaunlinie aufweist
  • Das an diesen Zaun angrenzende Grundstück ist nicht bebautes Land
  • Eine undurchdringliche Vegetationsbarriere (z.B. Hecke) von nicht weniger als 2 m Höhe befindet sich auf der Grundstücksgrenze neben den Bienenstöcken. Wenn die oben genannten Bedingungen nicht erfüllt werden können, beträgt der Mindestabstand der Bienenstöcke zu einem Zaun 3 m.

Wie du siehst, gibt es in einigen Ländern klare Beschränkungen, und die solltest du kennen, bevr du anfängst. 😊
Dein örtlicher Imkerverein ist ein guter Ort, um diese Informationen zu erhalten.

Wo genau stellst du die Völker auf?

  • Stell sie nicht in völligen Schatten – 50 Prozent Sonne und 50 Prozent Schatten am Tag sind ideal.
  • Drehe sie zur Sonne. Auf der Südhalbkugel sollte der Eingang des Bienenstocks nach Norden, auf der Nordhalbkugel nach Süden ausgerichtet sein.
  • Verlasse dich nicht nur auf die Nahrungsquellen, die deine Nachbarn und die Bauern in der Nähe deinen Bienen zur Verfügung stellen. Pflanze selbst einige bienenfreundliche Blumen in deinem Garten. Hier findest du eine Liste mit geeigneten Pflanzen.
  • Deck daran, dass Bienen bis zu 5 km weit fliegen. Da die intensive Landwirtschaft in vielen Ländern ein großes Problem darstellt, stell sicher, dass a) deine Bienen das ganze Jahr über genügend Nahrung finden und b) versuch herauszufinden, ob nahegelegene Bauern Chemikalien verwenden, die für Bienen schädlich sind.
  • Wenn du zur Miete wohnst, spreche vorab mit deinem Vermieter.
  • Spreche auch mit deinen Nachbarn und finde heraus, ob sie allergisch gegen Bienen sind und informiere sie darüber, dass du Bienen halten möchtest. Die Erfahrung zeigt, dass ein wenig Honig eine ausgezeichnetest Geschenk ist, um skeptische Nachbarn zu überzeugen 🙂

 

4) Entscheide, welche Art der Imkerei du praktizieren wollst. Konventionell oder ökologisch

In der konventionellen Imkerei liegt der Schwerpunkt auf dem Honigertrag.
Die ökologische Bienenhaltung orientiert sich mehr an den Bedürfnissen der Bienen, der Honigertrag ist sekundär. Dies ist der Ansatz, den wir bei Bees4life unterstützen. Eine völlig ökologische Bienenhaltung kann jedoch evtl. nur schwer möglich sein. Wie wir bereits erwähnt haben, haben Bienen einen Flugradius von 5 km. In den meisten Fällen kannst du die Bewirtschaftungsweise der Bauern um dich herum nicht beeinflussen. Du kannst auf jeden Fall mit ihnen sprechen und fragen, ob und wenn ja, was sie spritzen. Einige Landwirte informieren die örtlichen Imker, bevor sie ihre Obstgärten spritzen, damit die Imker ihre Völker während dieser Zeit an einen anderen Ort stellen können. Was du auf jeden Fall beeinflussen kannst, ist, die Bienen gut zu behandeln. Das nennt man nachhaltige Bienenhaltung. Für weitere Informationen lies unsere Artikel über nachhaltige Imkerei.

 

5) Wähle die Art der Behausung für deine Bienen.

Du kannst aus Hunderten von verschiedenen Arten von Behausungen, sog. Beuten, wählen.
In diesem Artikel erklären wir dir die gängigsten Beutetypen und listen ihre Vor- und Nachteile auf.

Wir stellen vor:

  • Magazinbeuten: Longstroth / Dadant
  • Oberträger-Beuten (Top-Bar-Hives)
  • Warré Beuten
  • Einraumbeuten
  • Flow Hives

Die Art der Beute hängt hauptsächlich von Folgendem ab:

  • der Art der Bienenhaltung, die du praktizieren willst,
  • der Anzahl der Bienenstöcke, die du halten willst und
  • davon, ob du von der Imkerei leben willst.

 

6) Besorge dir Werkzeuge und Imkereiausrüstung

Die Grundausrüstung des Imkers besteht aus Stockmeißel, Schleier, Handschuhen, Besen und Raucher.

Wenn du in einem Gebiet lebst, in dem du deine Bienen gegen die Varroamilbe behandeln musst, musst du auch natürliche Behandlungsmittel besorgen. Imkerwerkzeug findest du in deinem örtlichen Imkereibedarfsgeschäft und bei verschiedenen Online-Händlern3.

 

7) Zuletzt aber am wichtigsten: Besorge deine Bienen

Die Frage nach der Art der Bienenhaltung, der Art der Unterbringung und der gewählten Bienenrasse sind eng miteinander verbunden.

  • Grundsätzlich unterstützen wir eine lokale Beschaffung von Honigbienen, die bestenfalls als Schwarm der Natur zu dir nach Hause kommen. In diesem Fall kannst du sicher sein, dass deine Bienen vital und lokal angepasst sind und keine Krankheiten haben.
  • Spreche mit erfahrenen Imkern aus deiner Gegebend, um eine Bienenrasse zu finden, die gut an deine Gegend und Klima angepasst ist.
  • Besorge deine Bienen von einer vertrauenswürdigen Quelle wie einem Imkerverein.
  • Für weitere Informationen über die vielen verschiedenen Rassen lies unseren Artikel über Bienenrassen.

Hier ist unser letzter Tipp und unsere große Bitte…

Genieße deine aufregende Reise in die Welt der Bienen, aber nimm die Ratschläge ernst und eigne dir ein umfangreiches Wissen an, bevor du dir dein erstes Bienenvolk zulegst.

Es gibt weltweit einen Trend, dass Menschen, die nicht viel über Bienenhaltung wissen, einen Bienenstock im Internet kaufen, ihn in ihren Hinterhof stellen und das Gefühl haben, etwas Gutes für die Umwelt und die Bienen getan zu haben. Das Gegenteil ist der Fall!

Es gibt hierzu keine genauen Zahlen, aber viele Bienenvölker sterben bereits innerhalb des ersten Jahres oder übertragen sogar Krankheiten auf andere Bienenstöcke.
Wir alle wollen mithelfen, das Bienensterben aufzuhalten, aber einen Bienenstock ohne Vorkenntnisse und ohne sich darum zu kümmern in den Garten zu stellen, ist kontraproduktiv.

Sei neugierig, aber achtsam und genieß es, dich um diese faszinierenden Geschöpfe zu kümmern!

Wie wird man Imker? Wir hoffen, dass wir dir bei dieser Frage wertvolle Antworten liefern konnten. Viel Spaß beim Imkern!