Wie fühlt sich eine Biene?

 

Werde zur Biene und entdecke deine neuen Superkräfte

Die Frage, die dich nicht mehr loslässt: Wie fühlt sich eine Biene?

Nichts leichter als das.

Stell deinen Kaffee zur Seite, schließe deine E-Mails & entdecke deine neuen Super-Kräfte!

Nun bist du eine Honigbiene.

Zusammen mit 767 Schwestern willst du unbedingt 2 Millionen Blüten besuchen.  Klarer Fall, dafür brauchst du Superkräfte. Aber wofür?

Wie wäre es mit einem halben Kilo Honig und dem Wohlergehen deiner 10-Tausend-köpfigen Familie?

Aber lass dich erstmal anschauen …

Du bist etwa 700.000 mal kleiner als ein Mensch. Neuerdings hast du sechs Beine, fünf Augen, vier Flügel und einen Rüssel.

Du bist extrem behaart. Deine Haarborsten, sogenannte „Bürstchen“, bedecken deinen Körper und sogar dein Gesicht.

 

Ja, dein Gesicht. Foto von USGS Bee Inventory and Monitoring Lab

Im Spiegel bewunderst du deine neuen Augen. Augenpaare waren gestern! Statt zwei Augen hast du jetzt fünf! Das klingt vielversprechend, findest du.

Zwei von ihnen bedecken etwa die Hälfte deines Gesichts und bestehen aus unzähligen, winzigen Linsen. Die anderen 3 Augen sind viel kleiner und kaum zu sehen. Du schaust dich um: die meisten Dinge sind schwarz, blau, grün und ultraviolett. Beim ersten Testflug merkst du jedoch, dass alle Farben grau werden, wenn du zu schnell fliegst. Das verwirrt dich etwas.

Fünf statt zwei Augen

Dafür erfreust du dich an deiner neuen Fähigkeit, die Bewegungen anderer Lebewesen sofort zu bemerken. Es ist ungemein schwer, dich auszutricksen oder von hinten zu überraschen. Später erfährst du, dass dies an deinen kaum sichtbaren drei Augen liegt. Sie sind ausschließlich dafür geschaffen, Lichtveränderungen zu erkennen. Du siehst deine Schwestern schon von Weitem, egal wo sie sich befinden. Das einzig Ulkige? Die Konturen sind etwas unscharf. Etwa so, wie wenn du als Mensch durch ein Buntglasfenster geblickt hast.

Du siehst an dir herunter.

Jedes deiner 6 Beine ist mit Bürstchen besetzt. Nicht besonders sexy, denkst du. Vielleicht fragst du dich auch, wozu du diese Bürstchen gut sind? Und auch, warum um Himmelswillen du nun 6 anstatt 2 Beinchen jonglieren musst? Bald genug wirst den Grund erfahren, denn …

… der süße Duft von Löwenzahnnektar reißt dich aus deinen Überlegungen.

Plötzlich kannst du an nichts anderes mehr denken.

Und doch ist es nicht deine Nase die dir sagt, wo sich der Löwenzahn befindet. Komischerweise teilen dies dir deine Vorderbeine mit.

Egal.

Wie im Rausch stürzt du dich in die Löwenzahnblüte. Der Nektar betört deine Sinne und gierig schlürfst du das süße Getränk in dich hinein. Der Genuss gelangt gleich dreifach in dein Gehirn, denn Härchen mit bestimmten Rezeptorzellen in Mund, an Fühlern und Beinen signalisieren dir, ob das was du da hast, gut oder schlecht ist. In diesem Fall ist das Zeug einfach unwiderstehlich.

Vor lauter Genuss bemerkst du kaum, dass du dich komplett mit Blütenstaubkugeln besudelt hast. Du hebst ab.

Deine vier Flügel bewegen sich mit 11.400 Schlägen pro Minute.

Doch bevor du im Triumph über dieses Wunderwerk der Natur schwelgen kannst, bemerkst du, wie die klebrigen, gelben Staubkugeln in allen möglichen Härchen deines Körpers festhängen. Wie bei einem Menschenbaby, das gerade essen lernt, fällt dir ein.

Dein ganzer Bienenkörper klebt.

Du siehst praktisch aus, wie diese Hummel. Foto von Kutub Uddin

Peinlich. Man bräuchte ein Drahtbürste, um da durchzukommen, denkst du.

Eine Drahtbürste?

Voller Glück erinnerst du dich an die Haarbürstchen an deinen Beinen. Schon beginnst du dein Gesicht und Hals mit dem vorderen Beinpaar vom Blütenstaub zu säubern. Halt! Deine Schwestern warnen dich: Bloß nicht abwerfen, das ist Pollen und wir brauchen es für die Nachkommen!

Blitzartig änderst du dein Verhalten, denn das Wohl der Gemeinschaft steht für dich an erster Stelle. Es ist wichtiger, dass die Nachkommen der Kolonie etwas zu futtern haben, als dass du leichter durch die Luft fliegen kannst. Sowieso nimmst du wahr, wie sich nach deinem Nektargelage ein Gefühl der Unbesiegbarkeit in dir breit macht.

Ja, du könntest problemlos hunderte von Blüten anfliegen.

Die Wahrheit ist, das solltest du auch tun.

Dein mittleres Beinpaar reinigt den Brustkorb und nimmt den Blütenstaub von den Vorderbeinen entgegen. Gut, wenn man so viele Beine zur Verfügung hat! Der Sinn dieser vielen Beinchen fällt dir nun wie Schuppen von den Augen.

Zusammen mit etwas Flüssigkeit aus deinem Rüssel formst du praktische Bällchen und hängst sie an deine Hinterbeine. Kurzum, du würdest die diese Härchen niemals rasieren. Endlich sauber!

Du hast aber große Pollenhöschen, ruft dir eine deiner älteren Schwestern neckisch zu. Ob das jetzt ernst gemeint war? Denn ihre Pollenhöschen waren 20 mal so groß.

Ein Porträt deiner erfahrenen Bienenschwester.

 

Der Tag ist noch lang, denkst du und erhebst dich voller Tatendrang in die Lüfte.

 

 

Ein Blick in die Anatomie einer Biene

Beine und Härchen einer Biene:

Bienen haben tatsächlich 6 Beine mit Härchen. Die borstenartigen nach unten ausgerichteten Haare auf der Innenseite der Hinterbeine sind in zehn regelmäßigen Querreihen angeordnet. Die mittleren Beine werden zwischen diesen Pollenkämmen der Hinterbeine durchgezogen, so dass der Pollen in dem borstenartigen Kamm hängenbleibt. Ein einzeln stehendes längeres Haar im unteren Teil des Körbchens gibt dem angesammelten Pollen halt. Durch weiteren Nachschub bildet die Honigbiene so ihr „Höschen“ und klopft dieses mit ihren Mittelbeinen fest, so dass beim Flug nichts verloren geht. Das Gewicht beider Höschen beträgt je nach Blütenpollenart etwa 8 – 20 mg. Bevor die Höschen gefüllt sind fliegt die Biene bis zu 80 unterschiedliche Blüten an. Falls du dich fragst, warum Bienen Pollen umhertragen, lies unseren Artikel Was ist mit Bestäubung gemeint? 

Die Zunge hat einer Biene verfügt über keine Geschmacksnerven und reicht weit über das Ende deines Kiefers hinaus. Bienen schmecken mit anderen, spezialisierten Härchen, die Rezeptorzellen enthalten. Jede dieser Zellen ist dabei auf eine bestimmte Substanz geeicht. Die Härchen befinden sich im Bereich deines Mundes, deiner Fühler und an deinen Beinenden. Die Vorderbeine einer Biene liefern ihr die Information darüber, ob sie etwas fressen wird oder nicht.

Augen einer Biene:

Statt zwei Augen haben Bienen fünf Augen. Zum einen besitzen sie Facettenaugen, die auch Komplexauge genannt werden. Facettenaugen sind eine Zusammensetzung vieler kleiner, sechseckiger Einzelaugen, mit denen die Bienen bis über 300 Bilder pro Sekunde wahrnehmen können. Zum Vergleich kann ein Mensch nur ein Fünftel davon in einer Sekunde sehen. Mit den Facettenaugen können die Bienen, wie mit einem Blick durch ein Sieb, Formen, Muster und Farben erkennen. Die einzelnen Eindrücke werden dann im Gehirn zu einem Gesamtbild der Umgebung zusammengefügt. Darüber hinaus sehen Bienen Farben anders. Rot sieht aus wie schwarz und die drei „Primärfarben“ sind blau, grün und ultraviolett. Jedoch sehen Bienen Farben nur dann, wenn sie langsam genug fliegen. Ab einer bestimmten Schnelligkeit sehen sie nur noch grau.

Außerdem haben Bienen drei Punktaugen, auch Ocellen genannt. Sie sind unbeweglich und befinden sich mittig auf dem Kopf. Durch sie können Bienen hell und dunkel unterscheiden. 

 

Wie fühlt sich eine Biene? Wir hoffen, dass du jetzt dich nun in eine Biene hineinversetzen kannst und freuen uns, wenn du bis hier hin gelesen hast.

 

 

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