Klimawandel

Ursache Nr. 6: Klimawandel

In den letzten Jahrzehnten haben wir Menschen die Natur in vielen Bereichen stark geschädigt.

Der Klimawandel ist ein entscheidender Faktor für das weltweite Bienen- und Insektensterben.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind inzwischen auch in Deutschland spürbar.
Fakt ist, dass die Temperaturmittelwerte der 1980er, 1990er und 2000er stark gestiegen sind!

Die folgende Grafik verdeutlicht diese Entwicklung der letzten 40 Jahre.

Gleichzeitig zeigen aussagekräftige Studien, dass sich die Population von Fluginsekten in Deutschland seit 1989 um über 70% verringert hat.

Auch global verursacht die Erwärmung recht dramatische Klimaveränderungen und hat somit einen Einfluss auf den Rückgang von Insekten 1.

Folgenden Auswirkungen treten weltweit auf.

  • Die florale Umgebung verändert sich. Dies hat Einfluss auf die Anzahl der Bestäuber und deren Entwicklung.
  • Die Verbreitungsgebiete von Bestäubern verändern sich und es verschieben sich die Wettbewerbsbeziehungen zwischen Arten und Rassen sowie zwischen deren Parasiten und Krankheitserregern.
  • Immer häufig auftretende Extremwetterlagen wie schwere Dürren, Brände und Überflutungen wie im Sommer 2019/2020 in Australien sowie starke Stürme treffen auch Insekten.

 

Wie genau wirken sich Veränderungen in der Flora auf die Bienen aus?

Unser Klima beeinflusst die Blütenentwicklung sowie die Nektar- und Pollenproduktion. Diese stehen in direktem Zusammenhang mit der Nahrungsbeschaffung und so der Entwicklung der Kolonien.

Zum Beispiel: Ein durch die Herbstdürre verursachter Pollenmangel verringert die Pollenproduktion der Blumen. Den Bienen fehlt es dadurch im Winter an Nahrung, wodurch sie geschwächt werden und was die Wahrscheinlichkeit eines Befalls durch Parasiten erhöht.

Hier sind einige direkte Beispiele für Bienen, die mit einer veränderten Flora konfrontiert sind:

  • Blumen können für Bienen „unattraktiv“ werden: Veränderungen im Wetterverhalten, die zu übermäßigen Niederschlägen führen, können zu „unattraktiven“ Blüten führen. Wenn einige Blumenarten (insbesondere Akazie) durch Regen genässt werden, wird ihr Nektar stark verdünnt, was für Honigbienen nicht mehr attraktiv ist. Die logische Folge könnte ein Nahrungsmangel für Bienen sein.
  • Trockenes Klima kann die Nektarproduktion von Blüten stoppen: Ein extrem trockenes Klima wird die Produktion von Blütennektar für die Bienen reduzieren. Gleiches gilt für längere Dürren und Hitzeperioden, die durch Veränderungen im Wetterverhalten verursacht werden. So produzieren Lavendelblüten bei zu trockenem Wetter keinen Nektar, was das Sammeln für Bienen zu einer weitgehend hypothetischen Angelegenheit macht.
  • Insekten, die Honigtau produzieren, sind klimaabhängig: Auch der Honigtau, der von anderen Insekten bestimmter Pflanzenarten produziert wird, ist klimaabhängig. So erfordern beispielsweise die Entwicklung und das Wachstum der Tannenlaus Populationen ganz besondere Bedingungen. Ihr Honigtau ist beispielsweise für Honigbienen im Elsass/Frankreich und im Schwarzwald/Deutschland sehr attraktiv. Wenn sich das Wetterverhalten für diese Regionen ändert, könnten die winzigen Honigtauproduzenten gestört werden und sterben. Infolgedessen würden die Bienen dieser Gebiete den Honigtau als Nahrungsquelle verlieren2.
    Erste Auswirkungen aufgrund der Klimaveränderung sind durch den Verlust vieler Fichten bereits bemerkbar. Sie kommen mit ihrem flachen Wurzelsystem während langanhaltender Trockenperioden nicht mehr an ausreichend Wasser und macht sie anfällig für den Borkenkäfer.
  • Trockenere Regionen können blütenlos werden. Laut Vorhersagen von Klimaexperten werden die Wüstenregionen noch trockener, was zum Verschwinden von grünen Oasen und ihren Honigbienen führt. Als Beispiel dienen einige ausgetrocknete Gebiete des kalifornischen Vorgebirges. Hier sind viele Pflanzen verschwunden, die früher Nahrungsquellen für Bienen und Bestäuber waren.

 

Krankheiten, Parasiten und invasive Flora & Fauna

Wie entwickelt sich im Zuge des Klimawandels die Interaktion zwischen ihnen und den Bienen?
Honigbienenvölker können von einer Vielzahl von Krankheiten und Parasiten befallen werden, darunter importierte wie die Varroa Milbe, amerikanische und europäische Faulbrut, Nosemose und andere Viren und Milben.

Einige dieser Krankheiten und Parasiten gedeihen an manchen Orten besser als an anderen. Überall dort, wo sich die Witterungsverhältnisse ändern und trockener oder feuchter werden, können sich diese Krankheitserreger schneller entwickeln und sich weiter ausbreiten.

So entwickelt sich beispielsweise die „Kreidebrutkrankheit“, die durch den Pilz Ascosphera apis verursacht wird, hauptsächlich in einer feuchten Umgebung und kann sich dort ausbreiten, wo Ökosysteme durch den Klimawandel feuchter werden3.
In Bezug auf Nosemose wurde erforscht, dass mit Pestiziden belastete Honigbienen eher erkranken.

Aber auch die von Asien stammende Varroa Milbe profitiert von den durch den Klimawandel verursachten wärmeren Winter. In Deutschland beispielsweise gab es in den letzten Jahren in einigen Gebieten kaum noch Brutpausen der Bienenvölker. Dies begünstigt die Vermehrung der Milben und macht dem Imker eine Behandlung der Varroa Milbe nur sehr schwer möglich. Denn eine Behandlung der Varroa Milbe darf nur in brutfreien Zeiten erfolgen.

Wie wird sich der Klimawandel auf das Auftreten neuer invasiver Arten auswirken?

Die Situation der Honigbienen kann auch kritisch werden, wenn neue Feinde in ihren Lebensraum eindringen und ihn einnehmen.

In Ursache Nr. 5 haben wir über die asiatische Hornisse (Vespa Velutina) berichtet, aber es gibt auch andere bedrohliche Arten.

Zum Beispiel der kleine Beutenkäfer (Aethina tumida), der aus Südafrika stammt und sich in den schwächsten Honigbienenvölkern entwickelt. Der Parasit wurde in die USA importiert, wahrscheinlich über Zitrusfrüchte. Dies verschärfte die Probleme der amerikanischen Imker, insbesondere in heißen und feuchten Regionen. Bisher verhinderte das kalte Klima die Verbreitung des Käfers. Ein Klimawandel, der mit einem weltweiten Temperaturanstieg verbunden ist, wird dessen Verbreitungsgebiet erheblich erweitern.

Auch Pflanzenschädlinge breiten sind immer weiter aus. Besonderns problematisch für die Pflanzengesundheit ist die Kirschessigfliege, der Maiswurzelbohrer, die Walnussfruchtfliege und die Japanische Esskastaniengallwespe. Sie, sowie invasive Pflanzenarten wie die Ambrosia und dem Jakobskreuzkraut profitieren vom Klimawandel und der Globalisierung. Generell ist die weltweite Verbreitung von Schädlingen und invasiven Pflanzen eine negative Auswirkung unserer globalisierten Welt.

Obwohl auf den ersten Blick keine Gefahr durch die Schädlinge und invasiven Pflanzenarten für die Bienen auszugehen scheint, haben sie doch eine sehr große Auswirkung.

Warum? Weil die Landwirtschaft gegen die Ausbreitung massiv mit Spritzmitteln vorgeht. Manche sind die für Bienen und andere bestäubenden Insekten lebensgefährlich.

Die Wirkung eines Insektizids, namens Clothianidin zeigte sich im Frühjahr 2008: Dieses Insektizid aus der Gruppe der Neonicotinoide, bewirkte in der Region Oberrhein in Baden-Württemberg den Tod oder die schwere Schädigung von zehntausenden Bienenvölkern. Die Vergiftung erfolgte über behandeltes Mais-Saatgut, das zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers eingesetzt wurde. Der staubförmige Wirkstoff wurde durch den Wind auf unzählige benachbarte Äcker der Region verteilt.
Es starben über 12.000 Honigbienenvölker. Waben mit Blütenpollen mussten durch die Imker im Sondermüll entsorgt werden! Die betroffenen Imker wurden finanziell entschädigt aber keiner kennt die Zahl der zusätzlich vergifteten Wildinsekten und über die Langzeitfolgen des Nervengifts weiß man wenig.

Auch die Schädigung durch die Kirschessigfliege hat neben der Bekämpfung durch Pestizide Auswirkungen auf das Bienenvolk und die Honigqualität.
Die durch die Kirschessigfliege beschädigten Früchte führen zu Honigverfälschung. Denn die Bienen „bedienen“ sich an den angestochenen Früchten und tragen den Saft zurück ins Volk.

Eine weitere Maßnahme welche die Landwirtschaft ergreift und welche den Bienen die Nahrungsgrundlage nimmt, ist die Kultivierung von Nutzpflanzen unter Folientunnel und in Gewächshäusern.

Für den Imker selbst ist besonders eine Auswirkung des Klimawandels gefährlich, die starke Zunahme der Zeckenpopulation.

Fazit:

Die gesamte Bandbreite der Auswirkungen des Klimawandels auf unsere bestäubenden Insekten wird in Zukunft immer sichtbarer werden. Wir riskieren, dass wir erst dann aktiv werden, wenn es bereits zu spät ist.

Wenn wir als Menschen die Lebensräume unserer Insekten verändern, haben wir auch die Pflicht, Maßnahmen zu ergreifen, um ihr Überleben zu sichern.